CASE 21  

Regel 18 Vorwort
Regel 18.2 (a) Passieren von Bahnmarken und Hindernissen: Raum geben; Freihalten
Definition Raum

Die Größe des Raums, den ein außen liegendes Wegerechtboot an einer Bahnmarke oder einem Hindernis geben muss, hängt von den vorherrschenden Bedingungen ab.

Frage

Wie viel Raum darf ein innen liegendes Boot ohne Wegerecht maximal beim Runden oder Passieren einer Bahnmarke in Anspruch nehmen? Wie viel Raum muss das außen liegende Boot mindestens geben?

Antwort

Die möglichen Antworten differieren sehr stark. Die vorgeschlagenen Extreme könnten sein:1. Als Minimum genügt der Raum, um mit dem Rumpf bei dicht geholten Schoten und Spieren in einem Abstand von jeweils wenigen Zentimetern zwischen der Bahnmarke und dem außen liegenden Boot zu passieren. 2. Als Maximum all den Platzbedarf, den das innere Boot sich nimmt, um nach ihrem Belieben in seitlichem Abstand zur Bahnmarke vorbeizusegeln. Wie die Definition Raum und das Vorwort zu Regel 18 besagt, bedeutet Raum in Regel 18. den Platzbedarf, den das innere Boot unter den gegebenen Umständen benötigt, um in guter Seemannschaft unverzüglich und sicher zwischen äußerem Boot und Bahnmarke oder Hindernis das Runde- oder Passiermanöver durchzuführen, wobei der Platz für eine Wende oder Halse dazugehört, wenn diese normaler Bestandteil des Manövers sind. Der Ausdruck "gegebenen Umständen" bedarf einiger Erläuterung. Wenn zum Beispiel zwei Jollen auf einem ruhigen See bei leichtem Wind sich einer Bahnmarke nähern, dann benötigt die innen liegende kaum mehr Platz als für die Schiffsbreite und ihren normal geführten Großbaum. Wenn im Gegensatz dazu zwei Hochseeyachten auf offenem Wasser bei tiefer See sich einer Bahnmarke nähern, die an langer und schwer einschätzbarer Ankerleine festgemacht ist, benötigt die innen liegende Yacht eine ganze Bootslänge oder gar mehr um sicher zu passieren. Der Ausdruck "In guter Seemannschaft" gilt für beide Boote. Einerseits verlangt er von dem äußeren Boot, dass es für Raum sorgen muss, damit das innere Boot nicht ungewöhnliche und anormale Manöver fahren muss, um sich von ihm und der Bahnmarke freizuhalten. Andererseits zeigt er dem innen liegenden Boot, dass es keinen zusätzlichen Raum beanspruchen darf, wenn es während des Rundens nicht mit der normalerweise zu erwartenden Effizienz Pinne, Schoten und Segel bedient.
ISAF 1969/1