CASE 71   

Sportliches Verhalten und die Regeln
Regel 29.1 Einzelrückruf
Regel 62.1 Wiedergutmachung
Regel 64.2 Entscheidungen bei Wiedergutmachung

Ein Zuruf ist kein "Schallsignal". Antworten auf Fragen bezüglich Anträgen auf Wiedergutmachung nach Verfahrensfehlern der Wettfahrtleitung bei den Startsignalen.

Zusammenfassung des Falles
Die Boote A und B befanden sich beim Startsignal in der Nähe der Backbord-Begrenzung der Startlinie ganz dicht an der Linie. Die Wettfahrtleitung war der Auffassung, beide seien auf der Kursseite der Startlinie, setzte Flagge "X" und rief beide Segelnummern aus.
Weder A noch B hörten den Ruf oder bemerkten die Flagge "X", setzten die Wettfahrt fort und ihre Zieldurchgangsposition wurde registriert. Das ausgehängte vorläufige Wettfahrtergebnis wies A und B als OCS aus. A beantragte sofort Wiedergutmachung mit der Begründung, dass es die Wettfahrtleitung versäumt hat, das vorgeschriebene Schallsignal zu geben. Ferner habe es selbst weder die Signalflagge "X" gesehen, noch irgendeine andere Veranlassung gehabt zu glauben, es sei nicht ordnungsgemäß gestartet. Das Schiedsgericht verhandelte den Antrag von A. Das Schiedsgericht machte keine Tatsachenfeststellung, ob A oder B beim Startsignal auf der Kursseite der Linie waren oder nicht. Nachdem jedoch das Schiedsgericht herausgefunden hatte, dass sich B direkt neben A befunden hatte, gab es beiden Booten dergestalt Wiedergutmachung, dass sie gemäß ihrer Zieldurchgangsposition eingesetzt und andere Boote entsprechend zurückgestuft wurden. Nachdem dies geschehen war, beantragte C, das nach A und B durchs Ziel gegangen war, ihrerseits mit der Begründung Wiedergutmachung, es sei in seiner Wertung dadurch wesentlich benachteiligt worden, dass die Wettfahrtleitung das erforderliche akustische Signal nicht gegeben hat und infolgedessen zwei Boote, die nicht ordnungsgemäß gestartet sind, besser als es gewertet wurden. Der Antrag von C wurde abgelehnt und C ging in die Berufung. Ergänzend dazu stellte der Wettfahrtausschuss mehrere Fragen.

Frage 1
Stellt das Ausrufen von Segelnummern ein Schallsignal dar?

Antwort 1
Nein. Das Ausrufen von einigen oder mehreren Segelnummern ist nicht das erforderliche Schallsignal, wenn Flagge X gesetzt wird.

Frage 2
Hat sich das Schiedsgericht richtig verhalten, als es A Wiedergutmachung gewährte?

Antwort 2
Ja. ein Boot, das aus gutem Grund glaubt, dass es ordnungsgemäß gestartet ist, danach nicht in Übereinstimmung mit Regel 29.1 vom Gegenteil unterrichtet und dann als OCS gewertet wurde, ist berechtigt nach Regel 62.1(a) Wiedergutmachung zu verlangen. Der Zuruf, dass A zu früh über der Linie war, wurde nicht in den festgestellten Tatsachen festgehalten. Deshalb war die Festlegung, A mit seinem Zielplatz zu werten unter den gegebenen Umständen angemessen. Sollte sich jedoch in der Verhandlung herausstellen, dass ein Boot wusste, dass es nicht richtig gestartet ist, so hätte es keinen Anspruch auf Wiedergutmachung und sie hätte die Regeln 28.1 und falls gültig mit 30.1 beachten müssen. Hätte sie das nicht getan, hätte sie gegen Regel 2 verstoßen und ebenso das Grundprinzip für sportliches Verhalten und die Regeln.

Frage 3
Hat das Schiedsgericht richtig gehandelt, als es auch B Wiedergutmachung gewährte, das dies nicht beantragt hat?

Antwort 3
Ja. Das Schiedsgericht war der Auffassung, dass bei B die gleichen Umstände wie bei A vorlagen und es handelte dann wie in Regel 64.2, erster Satz gefordert.

Frage 4
Hatte C Anspruch auf Wiedergutmachung?

Antwort 4
Nein. Die Behauptung, dass A und B zu früh über der Linie waren, war kein festgestellter Sachverhalt. Deshalb ist trotz des fehlenden vorgeschriebenen Schallsignals, die Behauptung von C, dass seine Zieldurchgangsposition durch diesen Fehler wesentlich verschlechtert wurde, nicht durch die Fakten gedeckt. C hat keinen Anspruch auf Wiedergutmachung und seine Berufung wird abgewiesen.

USSA 1988/276