Abschnitt C - Grobes Fehlverhalten

69 Behauptung groben Fehlverhaltens

69.1 Verpflichtung, kein grobes Fehlverhalten zu begehen

(a) Ein Teilnehmer darf kein grobes Fehlverhalten begehen. Dies schließt einen groben Verstoß gegen eine Regel, die guten Sitten oder das sportliche Verhalten ein sowie das in Verruf bringen des Sports. Im Sinne von Regel 69 bedeutet Teilnehmer Mannschaftsmitglied oder den Eigner
eines Bootes.
(b) Die Behauptung eines Verstoßes gegen Regel 69.1(a) muss in Übereinstimmung mit den Vorschriften von Regel 69 geklärt werden.

69.2 Maßnahmen durch ein Schiedsgericht

(a) Ist ein Schiedsgericht aus eigener Beobachtung oder auf Grund eines Berichts aus einer beliebigen Quelle der Auffassung, dass ein Teilnehmer gegen Regel 69.1(a) verstoßen hat, kann es eine Verhandlung einberufen. Wenn das Schiedsgericht entscheidet, eine Verhandlung
einzuberufen, muss es den Teilnehmer unverzüglich schriftlich über den behaupteten Verstoß und über Zeit und Ort der Verhandlung informieren. Wenn der Teilnehmer gute Gründe angibt, warum er nicht an der Verhandlung teilnehmen kann, muss das Schiedsgericht sie neu
ansetzen.

(b) Ein aus mindestens drei Mitgliedern bestehendes Schiedsgericht muss die Verhandlung unter Einhaltung der Vorgehensweise nach den Regeln 63.2, 63.3(a), 63.4 und 63.6 durchführen.

(c) Wenn das Schiedsgericht unter Berücksichtigung der Ernsthaftigkeit des behaupteten groben Fehlverhaltens zu der sicheren Überzeugung gelangt ist, dass ein Teilnehmer gegen Regel 69.1(a) verstoßen hat, muss es
(1) den Teilnehmer verwarnen oder
(2) eine Strafe auferlegen, indem es den Teilnehmer ausschließt und, wenn angebracht, ein Boot von einer Wettfahrt, von den verbleibenden Wettfahrten oder allen Wettfahrten einer Wettfahrtserie disqualifiziert oder eine andere Maßnahme innerhalb seines uständigkeitsbereiches
trifft. Eine Disqualifikation nach dieser Regel darf nicht aus der Gesamtwertung des Bootes gestrichen werden.
Wenn der Standard der Beweisführung in dieser Regel mit Gesetzen eines Landes im Widerspruch steht, kann der Nationale Verband mit Zustimmung der ISAF die Vorschriften dieser Regel ändern.

(d) Das Schiedsgericht muss unverzüglich eine Strafe, jedoch nicht eine Verwarnung, den Nationalen Verbänden des Veranstaltungsortes, des Teilnehmers und des Bootseigners mitteilen. Ist das Schiedsgericht eine von der ISAF gemäß Regel 89.2(b) eingesetzte Internationale Jury,
muss sie eine Kopie des Berichts an die ISAF senden.

(e) Kann der Teilnehmer keine guten Gründe dafür angeben, dass er nicht an der Verhandlung teilnehmen kann und nicht daran teilnimmt, kann das Schiedsgericht die Verhandlung ohne die Anwesenheit des Teilnehmers durchführen. Wenn das Schiedsgericht so vorgeht und den Teilnehmer bestraft, muss es im Bericht nach Regel 69.2(d) die festgestellten Tatsachen, die Entscheidung und die Gründe für diese aufführen.

(f) Wenn das Schiedsgericht entscheidet, die Verhandlung nicht in Abwesenheit des Teilnehmers durchzuführen, oder wenn die Verhandlung nicht zu einem Zeitpunkt angesetzt werden kann, an dem es dem Teilnehmer zumutbar wäre, teilzunehmen, muss das Schiedsgericht alle verfügbaren Informationen sammeln und, sofern die Anschuldigungen gerechtfertigt erscheinen, einen Bericht für die zuständigen Nationalen Verbände erstellen. Wenn das Schiedsgericht eine nach Regel 89.2(b) von der ISAF bestellte Internationale Jury ist, muss es eine Kopie des Berichts an die ISAF senden.

(g) Hat das Schiedsgericht die Veranstaltung verlassen und geht ein Bericht über einen behaupteten Verstoß gegen Regel 69.1(a) ein, kann die Wettfahrtleitung oder der Veranstalter ein neues Schiedsgericht einberufen, um nach dieser Regel zu verfahren.

69.3 Maßnahmen durch einen Nationalen Verband oder Einleitung einer Maßnahme durch die ISAF

(a) Erhält ein Nationaler Verband oder die ISAF einen Bericht über einen Verstoß gegen Regel 69.1(a) oder einen nach Regel 69.2(d) oder 69.2(f) geforderten Bericht, muss er eine Untersuchung und muss, wenn angebracht, eine Verhandlung in Übereinstimmung mit den festgelegten Bestimmungen durchführen. Er kann dann eine beliebige, ihm angemessen erscheinende, innerhalb seines Zuständigkeitsbereiches liegende Disziplinarmaßnahme gegen den betreffenden Teilnehmer, das Boot oder eine andere, darin verwickelte Person treffen. Das schließt die Aufhebung der Teilnahmeberechtigung an jeder Veranstaltung in ihrem Zuständigkeitsbereich dauerhaft oder für eine bestimmte Zeit und den Entzug der ISAF-Zulassung entsprechend ISAF-Regulation 19 ein. Der Nationale Verband muss unverzüglich die anderen betroffenen Nationalen Verbände und die ISAF über seine Entscheidung und die Begründungen informieren, auch dann, wenn die Entscheidung darin besteht, keine weiteren Maßnahmen zu treffen.

(b) Der Nationale Verband des Teilnehmers muss ebenfalls die ISAF-Zulassung des Teilnehmers, wie in ISAF-Regulation 19 gefordert, aufheben.

(c) Der Nationale Verband muss unverzüglich einen Entzug der Teilnahmeberechtigung nach Regel 69.3(a) der ISAF und den Nationalen Verbänden der Person oder des Eigners des suspendierten Bootes mitteilen, falls sie nicht Mitglied des Nationalen Verbandes sind, der die Aufhebung ausspricht.

69.4 Weitere Maßnahmen durch die ISAF

Nach Erhalt einer durch die Regel 69.3(c) oder die ISAF-Regulation 19 geforderten Mitteilung oder nach einer eigenen Maßnahme auf Grund von Regel 69.3(a) muss die ISAF alle Nationalen Verbände unterrichten, die ebenfalls die Teilnahmeberechtigung für Veranstaltungen innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches aufheben können. Das ISAF Executive Committee muss die ISAF-Zulassung des Teilnehmers entsprechend ISAF-Regulation 19 aufheben, wenn der Nationale Verband des Teilnehmers das nicht tut.