64 Entscheidungen

64.1 Strafen und Entlastung

Entscheidet das Schiedsgericht, dass ein Boot, das Partei einer Protestverhandlung ist, gegen eine Regel verstoßen hat und nicht entlasted ist, muss es dieses Boot disqualifizieren, wenn nicht eine andere Strafe anzuwenden ist. Eine Strafe muss unabhängig davon auferlegt werden, ob die zutreffende Regel im Protest erwähnt wurde. Hat ein Boot gegen eine Regel verstoßen, während es sich nicht in einer Wettfahrt befand, muss die Strafe für die Wettfahrt gelten, die von der Zeit her dem Vorfall am nächsten liegt.
Jedoch;
(a) wenn ein Boot als Folge eines Verstoßes gegen eine Regel ein anderes Boot gezwungen hat, eine Regel zu verletzen, ist das andere Boot zu entlasten.
(b) Wenn ein Boot eine zutreffende Strafe angenommen hat, darf es auf Grund dieser Regel nicht weiter bestraft werden, es sei denn, die Strafe für den begangenen Regelverstoß ist eine Disqualifikation, die nicht in der Gesamtwertung gestrichen werden darf.
(c) wenn die Wettfahrt erneut gestartet oder gesegelt wird, gilt Regel 36.

64.2 Entscheidungen über Wiedergutmachung

Entscheidet das Schiedsgericht, dass ein Boot Anspruch auf Wiedergutmachung nach Regel 62 hat, muss es eine Regelung treffen, die so fair wie möglich für alle betroffenen Boote ist, unabhängig davon, ob sie Wiedergutmachung beantragt haben. Die Wiedergutmachung kann darin bestehen, die Wertung (siehe Regel A10 im Hinblick auf einige Beispiele) oder die Zieldurchgangszeiten von Booten anzupassen, die Wettfahrt abzubrechen, die Ergebnisse der Wettfahrt aufrecht zu erhalten oder eine andere Regelung zu treffen. Bestehen Zweifel über den Sachverhalt oder die vermutlichen Folgen einer Regelung für die Wettfahrt oder Wettfahrtserie, muss sich das Schiedsgericht, besonders vor Abbruch der Wettfahrt, aus geeigneten Quellen Entscheidungsgrundlagen einholen.

64.3 Entscheidungen bei Protesten die Klassenregeln betreffen

(a) Ermittelt das Schiedsgericht, dass Abweichungen über die in den Klassenregeln festgelegten Toleranzen hinaus durch Beschädigung oder normale Abnutzung verursacht wurden und die Leistungsmerkmale des Bootes nicht verbessern, dann darf es das Boot nicht bestrafen. Jedoch darf das Boot nicht wieder an Wettfahrten teilnehmen, bis die Abweichungen korrigiert wurden, außer das Schiedsgericht stellt fest, dass es keine zumutbare Gelegenheit gibt oder gegeben hat, das zu tun.

(b) Hat das Schiedsgericht Zweifel an der Bedeutung einer Klassenregel, muss es seine Fragen zusammen mit den entsprechenden Sachverhalten einer für die Interpretation der Regel zuständigen Stelle unterbreiten. Das Schiedsgericht ist bei seiner Entscheidung an die Antwort der zuständigen Stelle gebunden.

Zusatz DSV,ÖSV, Swiss Sailing zu Regel 64.3(b)
Zur Feststellung des Sachverhaltes und der Bedeutung der Klassenregeln ist jeder von einem nationalen Verband oder der ISAF anerkannte Vermesser berufen. Im Zweifel muss er die entsprechende Frage unverzüglich an die zuständige Stelle weiterleiten
.

(c) Wenn ein Boot, das nach einer Klassenregel disqualifiziert wurde, schriftlich versichert, dass es eine Berufung einlegen will, darf es ohne Veränderungen am Boot an den folgenden Wettfahrten teilnehmen, wird aber ausgeschlossen, wenn es keine Berufung einlegt oder der Berufung nicht stattgegeben wird.

(d) Die durch einen Protest gegen Klassenregeln entstandenen Vermessungskosten trägt die unterlegene Partei, wenn das Schiedsgericht nicht anders entscheidet.

Zusatz DSV,ÖSV, Swiss Sailing zu Regel 64.3(b):
Im Falle eines Vermessungsproteste kann eine Kaution zur Deckung der voraussichtlichen Kosten verlangt werden.